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Friedensprozess Kolumbien – Versöhnung

Versöhnungsprozess KolumbienFRIEDENSPROZESS KOLUMBIEN

Dörfer der Versöhnung in Kolumbien
Seehaus e.V. und die Hoffnungsträger Stiftung setzt sich für Aussöhnung zwischen Guerilla, Paramilitärs und Zivilisten und den Friedensprozess in Kolumbien ein

Die Hoffnungsträger Stiftung setzt sich für die Versöhnung der Menschen in den Bürgerkriegsregionen Kolumbiens ein. Im Mittelpunkt ihrer Initiativen mit der Partnerorganisation Confraternidad Carcelaria de Colombia (CCC) stehen alternative Gefängnismodelle und „Dörfer der Versöhnung“. Dabei nehmen ehemalige Guerilleros und Paramilitärs sowie Zivilisten an Gesprächen teil, die eine persönliche Aussöhnung von Opfern und Tätern ermöglichen. Gleichzeitig bauen sie gemeinsam durch den Krieg zerstörte Infrastruktur auf. Sie bauen oder renovieren zerstörte Schulen, Versammlungsstätten und Sportplätze, richten Werkstätten ein oder bauen zerstörte Brücken auf.

Nach jahrzehntelangen Kämpfen zwischen Regierungstruppen, verschiedenen Guerilla-Gruppen und Paramilitärs ist ein Ende des bewaffneten Konflikts in Kolumbien zum Greifen nah. Am 24. August verkündeten die Vertreter der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla eine Friedenvereinbarung. Für den 2. Oktober ist in Kolumbien ein Referendum dazu geplant.

Bereits am 23. September 2015 hatten die Verhandlungsführer ihre Einigung über die Schaffung einer am Völkerrecht orientierten Friedengerichtsbarkeit verkündet. Dabei stehen die Rechte der Opfer und der Aufbau eines integralen Systems für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung im Zentrum. In dem Programm „Dörfer der Versöhnung“ der Hoffnungsträger Stiftung sind genau diese Komponenten enthalten.

Das Programm in Kolumbien ist auf Initiative von Stiftungsgründer Tobias Merckle entstanden. Er kennt die schwierige Situation vor Ort. Er und der Leiter von CCC, Lácides Hernández, kennen sich seit Jahren und pflegen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Beide setzen sich in der Straffälligenarbeit für Versöhnung und Wiedergutmachung ein. Merckle mit dem Seehaus e. V. und der Hoffnungsträger Stiftung. Hernández mit seiner Organisation CCC.

Hernández und die CCC-Mitarbeiter kümmern sich in Kolumbien um Gefangene, ihre Familien sowie um Opfer von Gewalt und Kriminalität. Im Gefängnis hat Hernández deshalb mit vielen ehemaligen Guerilleros gesprochen. Bei seiner Arbeit für Gefangene lernte er auch Francisco Galán kennen, der lange Kommandeur und Sprecher der ELN war, der nach der FARC zweitgrößten Guerilla-Organisation Kolumbiens. 35 Jahre gehörte Galán der ELN an, 16 Jahre saß er im Gefängnis. Hernández begleitete ihn in seinem Prozess zu einem anderen Menschen. Nun arbeiten sie gemeinsam für Frieden und Versöhnung im Land.

versoehnung-kolumbien-doerfer-der-versoehnungEs ist eine langfristige Aufgabe und Herausforderung, die ehemaligen Mitglieder der diversen Rebellenorganisationen und Paramilitärs wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Dörfer der Versöhnung haben dafür Modellcharakter. Dort kommen Ex-Guerilleros und Ex-Paramilitärs mit Opfern des Konflikts zusammen. Sie leben oft wieder in der gleichen Kommune. Ohne eine Aufarbeitung ist die Gefahr groß, dass Hass, Misstrauen und Gewalt die gemeinsame Zukunft bestimmen. In Gesprächsgruppen können sie offen über das Geschehene, über die jeweils eigene Biografie und Leidensgeschichte, über Schuld und Leid sprechen.

Häufig hat man die Rebellen schon als Kinder für die Guerilla rekrutiert. Sie hatten oft selbst Leid erfahren, bevor sie andere schädigten. In dem Gespräch kann die Vergangenheit aufgearbeitet werden und ein Versöhnungsprozess beginnen. Gleichzeitig bauen die Teilnehmer zusammen zerstörte Häuser, Versammlungsstätten und Schulen auf, richten Werkstätten ein oder bauen Brücken und Verbindungswege wieder auf. Dadurch wird die Vision einer gemeinsamen Zukunft lebendig. Durch ihren Einsatz erhalten die Teilnehmer zugleich die Chance, berufliche Qualifikationen zu erwerben oder zu erweitern, mit denen sie später ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Versöhnung Kolumbien, Friedensprozess, Kolumbien, FriedenMayerly Suarez gehörte den Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), einer rechtsgerichteten paramilitärischen Organisation in Kolumbien, die zu den Hauptakteuren des bewaffneten Konflikts in Kolumbien zählte. Vor kurzem nahm Mayerly in Ciudad Bolivar an einem Gespräch zwischen Opfern und Tätern des kolumbianischen Bürgerkrieges teil. Mit eindringlichen Worten richtete sie sich an die anderen Teilnehmer. „Ich bitte um Vergebung, weil ich als Mitglied der AUC viel Schaden angerichtet habe. Aber ich vergebe auch jenen, die mich dazu gezwungen und mir ein Stück meiner Jugend geraubt haben. Ich möchte allen Versammelten sagen, dass die meisten Leute nicht freiwillig bei diesen Gruppen waren, sondern weil ihnen ihre Lebensgeschichte oder die Umstände keine andere Wahl ließen.“

Auf der anderen Seite saß Rupert Alvarez, der als Dorfbewohner unter dem Bürgerkrieg gelitten hat. „Ich bin stolz auf die Menschen, die Leid verursacht haben und jetzt Wiedergutmachung leisten. Durch die Gespräche und die gemeinsame Aufbauarbeit haben wir Vertrauen zu ihnen gewonnen. Man kann sogar sagen, dass wir Freunde geworden sind. Ich freue mich, dass die ehemaligen Rebellen und Paramilitärs nun zum Wohl der Allgemeinheit arbeiten und beweisen, dass sie es ernst meinen. Es ist schön zu sehen, dass sie ihre Probleme hinter sich gelassen haben.“

Versöhnungsprozess Kolumbien2Drei Versöhnungsdorf-Projekte hat die Hoffnungsträger Stiftung zusammen mit CCC in der Region Cocorná bereits verwirklicht oder auf den Weg gebracht. In der Region Cocorná war es besonders häufig zu schweren Kämpfen zwischen der Armee und der Rebellenorganisation FARC gekommen. Es gab unzählige Tote unter den Zivilisten und viel Zerstörung an Gebäuden.

Rund 500.000 Euro hat Hoffnugnsträger dort bereits eingesetzt. Dabei soll es nicht bleiben. „Wir wollen noch mehr Menschen die Chance geben, ein normales Leben jenseits von Krieg und Gewalt zu führen“, sagt Stiftungsvorstand Marcus Witzke.

Am 7. Juli hat der Deutsche Bundestag eine Resolution zur Unterstützung des Friedensprozesses in Kolumbien verabschiedet. Darin wird die Bundesregierung unter anderem aufgefordert, den Friedensprozess politisch zu flankieren, das zwischen kolumbianischer Regierung und FARC ausgehandelter Modell der Übergangsjustiz zu stützen und die nötigen Mittel bereitzustellen, um die Zivilgesellschaft in Kolumbien zu stärken.

Eine besondere Rolle sieht der Bundestag laut seiner Resolution für die Vertreter der Kirche in Kolumbien. Sie könnten durch ihre Präsenz, Begleitung und Vermittlung den Friedensprozess nachhaltig voranbringen. Ein Kirchennetzwerk, das den Friedensprozess Kolumbien unterstützt ist DiPaz (Diálogo Intereclesial por la Paz de Colombia). CCC ist Mitglied dieses Verbundes. Die Hoffnungsträger Stiftung und der Seehaus e. V. haben den Status eines Co-Dialogpartners.

In seiner Rede im Bundestag sagte Tom Koenigs, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Friedensprozess in Kolumbien: „Mehr Demokratie zu wagen, wie es Kolumbien tut, ist eine Herausforderung und ein Risiko. Aber es kann gelingen, wenn Politik statt auf Schuldzuweisungen auf Versöhnung setzt.“ Das bedeute weder Vergessen noch Straflosigkeit, sondern Wahrheit, Ermittlung und Aufklärung unter Einbeziehung der Opfer und Mitarbeit der Täter.

Zur Versöhnung in Kolumbien beizutragen, wie auch Koenigs sie beschreibt, ist das große Anliegen von Seehaus e.V. und der Hoffnungsträger Stiftung und ihrer Arbeit in Kolumbien. Merckle wird im September wieder in Kolumbien sein, um bei der Abschlusszeremonie des Programms „Dörfer der Versöhnung“ in Ciudad Boliviar dabei zu sein, ebenso wie bei der Eröffnung des APAC Programms im Bellavista-Gefängnis in Medellin (ein Hafthaus mit 430 Insassen, das in Zukunft von Prison Fellowship Kolumbien unter weitestgehender Selbstverwaltung durch die Gefangenen geführt wird). Auch das Patenschaftsprogramm „Hoffnungspaten“ wird er besuchen.

Über die Hoffnungsträger-Stiftung

Die Hoffnungsträger Stiftung mit Sitz in Leonberg gibt es seit 2013. Sie steht Menschen zur Seite, die auf der Suche nach Schutz und einem würdevollen Leben sind. Die Stiftung setzt sich für die Integration von Flüchtlingen in Deutschland ein und vermittelt weltweit Kindern, deren Väter oder Mütter im Gefängnis sitzen, eine Patenschaft. Darüber hinaus fördert die Hoffnungsträger Stiftung ausgewählte Projekte im sozialen Bereich im In- und Ausland. Gründer der Stiftung ist Tobias Merckle, der auch das Seehaus Leonberg, einen Strafvollzug in freier Form, ins Leben gerufen hat. Als Vorstand fungiert Marcus Witzke. Dem Aufsichtsrat gehören bekannte Personen aus der Wirtschaft und dem öffentlichen Leben an.

Hoffnungspaten: Kinder von Gefangenen bekommen Unterstützung für ein hoffnungsvolles Leben.

Mehr unter www.hoffnungstraeger.de

Mehr über die Dörfer der Versöhnung auf der Webseite von Prison Fellowship Kolumbien

Fotos bei Flickr

 

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BIC: COBADEFFXXX

Spendenzweck: Versöhnung Kolumbien

 

Kontakt

Axel Jeroma

Kommunikation

07152/56983-14

ajeroma@seehaus-ev.de

Artikel über den Friedensprozess Kolumbien:

Süddeutsche Zeitung: Frieden ohne Garantie

Spiegel online: FARC Rebellen in Kolumbien: Revolution für den Frieden

N-TV: Kolumbien und FARC schließen Frieden

Frankfurter Rundschau: Frieden in Kolumbien

Handelsblatt: Einigung mit Rebellen nährt Hoffnung auf Frieden

EU: EU unterstützt Friedensprozess Kolumbien

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