Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Wohngemeinschaft für junge Flüchtlinge Altensteig

Im Juni 2016 eröffnete  der Seehaus e.V. in Altensteig eine Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Haus Hohenberg leben seitdem acht Jugendliche – davon drei Mädchen – unterschiedlicher Nationalität und Konfessionen zusammen.

Mit im Haus wohnen die Hauseltern Martin und Bärbel Beck. Sie leiten die Wohngemeinschaft und sind für die Jugendlichen Bezugspersonen und Ansprechpartner. Durch die räumliche Verbundenheit sind sie im Notfall auch nachts erreichbar. Zusätzlich zu den Hauseltern sind vier weitere Mitarbeiter in der WG als Betreuer eingesetzt.

Jeder Jugendliche bringt seine eigene Geschichte und Persönlichkeit mit ein. Viele von ihnen haben traumatische Situationen in ihrem Herkunftsland oder bei der Flucht erlebt. In vielen Fällen mussten sie dabei ihre Familien und Freunde zurücklassen oder haben sie verloren. Um sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken, hat jeder Jugendliche eine persönliche Bezugsperson, mit der man in Einzelgesprächen über die persönliche Entwicklung, Sorgen, Ängste oder Schwierigkeiten sprechen kann. Das Leben in Deutschland ist für viele der jungen Menschen ganz anders als das, was sie aus ihren Herkunftsländern gewohnt sind. In einer wöchentlichen Gesprächsrunde werden daher alltägliche  Fragestellungen rund um Europa/Deutschland und die hier übliche Lebensweise behandelt, wie beispielsweise Hygiene, Beziehungen, Umgangsformen usw. Hier gibt es große kulturelle Unterschiede. Es ist für die Jugendlichen gut und wichtig, sich darüber auszutauschen und sich auch auf dieser Ebene integrieren zu können, weshalb sie immer mit viel Begeisterung dabei sind.

Gemeinschaft erleben

Das Leben in Gemeinschaft ist wichtig. Neben den gemeinsamen Mahlzeiten und der Hausaufgabenbetreuung gibt es daher wöchentlich einen Familienabend, bei dem gemeinsam Spiele gespielt, Geschichten erzählt oder andere Gemeinschaftsaktionen gemacht werden. An den Wochenenden gibt es gemeinsame Ausflüge ins Schwimmbad, zum Minigolf, man geht Wandern oder unternimmt sonstige Aktionen. Zusätzlich findet noch einmal in der Woche den Familienrat statt, der von den Hauseltern geleitet wird. Dabei werden Konflikte besprochen, Informationen ausgetauscht, Regeln festgelegt und Pläne gemacht.

Schule, Freizeit und Beziehungen

Sehr wichtig ist den Jugendlichen in der Wohngemeinschaft Altensteig der Unterricht. Alle Jugendlichen gehen sehr gerne und regelmäßig zur Schule. Die meisten von Ihnen besuchen derzeit eine Vorbereitungsklasse in der der Schwerpunkt auf dem Erlenen der deutschen Sprache liegt. Ziel ist in jedem Fall eine Regelbeschulung, die letztendlich zum Schulabschluss führt. Am Nachmittag lernen die Jugendlichen während der gemeinsamen Hausaufgabenzeit mit Unterstützung der Betreuer, nehmen Arztbesuche war und gehen ihren Hobbies nach. Besonders beliebt sind Sportangebote, einige Jungs sind als begeistere Fußballspieler im Verein dabei. Der Kontakt zu Personen außerhalb der Wohngruppe – insbesondere zu anderen Deutschen – ist für die Jugendlichen besonders wichtig und wird von ihnen sehr wertgeschätzt. Durch die Einrichtung sogenannter „Patenschaften“ wollen wir diese Kontakte fördern und stärken. Derzeit sind wir noch auf der Suche nach weiteren möglichen Paten, die es auf dem Herzen haben sich um einen einzelnen Jugendlichen verstärkt zu bemühen und ihn zum Beispiel einzuladen oder mit auf einen Ausflug zu nehmen.

Begleitete gemeinnützige Arbeit

Seit Februar 2017 gibt es neben der Wohngemeinschaft auch noch den Arbeitszweig der begleiteten gemeinnützigen Arbeit. Hierbei werden junge Menschen unterstützt, die ihre Sozial- oder Arbeitsstunden ableisten müssen. Durch persönliche Begleitung  sowie Einzelgespräche während der Stunden durch Mitarbeiter werden die Jugendlichen zum Durchhalten ermutigt und in ihrer Persönlichkeit gefördert. Langfristig soll den Jugendlichen eine positive Lebensführung und Wege jenseits der Straffälligkeit gezeigt werden.