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Nachruf für Ruth Merckle von Dr. Manfred Eisenmann, DAV Ulm

Trauerfeier Frau Ruth Merckle im Münster am 7. Mai 2018

Verehrte Familie Merckle und Holland,
verehrte Trauergemeinde,

Herr Ludwig Merckle hat mich gebeten, Worte des Gedenkens an seine Mutter als Bergsteigerin und Mitglied der Sektion Ulm des Deutschen Alpenvereins zu sagen.
Gemeinsame Ski- und Bergtouren mit Ruth und Adolf Merckle sind für mich Teil meiner schönsten Lebenserinnerungen.
Begeisterung für die Berge wurde schon als Kind bei Ruth Holland geweckt; ihre Mutter war in Ulm eine der ersten Skitourengeherinnen. In der Jugendgruppe der Sektion Ulm startete Ruth Holland ihre ersten Ski- und Bergfahrten. Diese führte sie auch weiter während ihrer beruflichen Tätigkeit in Sitten beim dortigen Schweizer Alpenclub.
Nach ihrer Heirat waren für sie, ihren Mann Adolf und Familie die Sektion Ulm ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens. Wie immer engagierte sich Ruth Merckle mit voller Kraft für die Gemeinschaft. Sie übernahm mit großer Energie das Amt des Sportwarts in der Skiabteilung, dazuhin Bezirkssportwartin im Deutschen Skiverband. Als Beiratsmitglied der Sektion war sie wertvolle Ratgeberin für den Vorstand.
Beim erfolgreichen Skirennlauf ihrer Kinder war sie als sogenannte „Rennmutter“ stets im Einsatz. Ihre besondere Förderung kam zwei großen Projekten zugute: dem Ifenpokal, einem Traditionsskirennen im Kleinen Walsertal und dem Pistenbully Biathlonzentrum in Dornstadt. Beides wird von der nächsten Generation, insbesondere Ludwig Merckle, fortgeführt.
Die Mitglieder der Sektion Ulm trauern um Frau Ruth Merckle und danken ihr sehr.
Mich und dann auch meine Frau verband eine gute Bergkameradschaft und Freundschaft mit Ruth und Adolf Merckle.
Es waren unvergeßliche gemeinsame Skitouren in den schweizer, französischen und österreichischen Alpen.
Der Höhepunkt in Ruth Merckle´s Bergsteigen waren zweifellos die vielen Hochtouren weltweit zusammen mit ihrem Mann unter bewährter Leitung unseres Bergführers und Freundes Sigi Hupfauer – das Ehepaar Sigi und Gabi Hupfauer waren damals die führenden Bezwinger der höchsten Berge der Welt.
Nach der Besteigung ihres ersten 6000ers 1979 in Nepal folgten für Ruth Merckle fast alljährlich höchst anspruchsvolle Hochtouren auf über 6000 m Höhe. Einige seien genannt: in Ladakh, in Bhutan, wo ein Berg Meru Kang nach Merckle Ruth benannt ist, in Pakistan rund um den Nanga Parbat; in Südamerika – Ecuador mit Chimborazo, Berge in Bolivien, Peru, Patagonien, sodann Marokko, Äthiopien, Jemen und Elbrus in der damaligen Sowjetunion.
Ruth Merckle forderte mit starker Willenskraft viel von sich selbst, wollte immer das Höchste erreichen, nicht nur für sich, sondern auch für alle Anderen. Stets mit Hilfsbereitschaft und Aufmunterung zur Stelle, wenn ein Teilnehmer unserer Gruppe physisch oder psychisch an seine Grenzen stieß; sie wollte den Anderen mitnehmen.
Gewissenhaft trainierte sie für die Höhenanforderungen: Mit einem Lächeln hat sie mir einmal erzählt, dass sie vor einer Tour nach Ulm fuhr und mehrmals hintereinander den Münsterturm bestieg, bis wohl der Kassenwart sagte: „Frau Merckle, Sie haben jetzt so oft bezahlt, Sie dürfen auch mal umsonst rauf“. – Herr Dekan Gohl, ich hoffe, Sie geben nachträglich Ihre Zustimmung.
Für Ruth Merckle waren diese Touren mehr als das bloße Bergsteigen: Kultur dieser Länder, Kontakte mit Einheimischen – mit der damals neuartigen Polaroidkamera fotografierte sie Kinder und Erwachsene, die nach der Sofortentwicklung mit ungläubigem Erstaunen sich wohl zum ersten Mal selbst sahen.
Menschliche Hilfe war ihr großes Anliegen; nach Äthiopien transportierten wir eine große Kiste mit Medikamenten in die Karl-Heinz-Böhm-Werkstätten und in Ladakh Hilfe für das SOS-Kinderdorf.
Sie hat einmal gesagt: „Das Leben wäre doch langweilig, wenn es keine Herausforderungen gäbe“. Diese Herausforderungen hat sie auch in den Bergen genauso wie in ihrem ganzen Leben gesucht und bewältigt.
Ruth Merckle ist uns auf dem Weg nach oben vorangegangen, vertrauensvoll können wir ihren Spuren folgen.
Ich danke Ihnen.

Dr. Manfred Eisenmann

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