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Seehaus Leipzig beim Fachtag „Mehr als Arbeit: Strafvollzug, Beschäftigung, Resozialisierung“

Beim Fachtag „Mehr als Arbeit: Strafvollzug, Beschäftigung, Resozialisierung“ am 1. Dezember 2025 in Chemnitz diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Justiz, Praxis und Forschung über die Rolle von Arbeit im Strafvollzug und ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Resozialisierung. Veranstaltet wurde der Fachtag vom Zentrum für kriminologische Forschung Sachsen e.V.

Das Seehaus Leipzig war durch Franz Steinert (stellvertretender Leiter des Seehaus Leipzig) und einen Absolventen auf dem Podium vertreten. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, welche Rolle Arbeit im Strafvollzug für die Resozialisierung tatsächlich spielt.

Aus Sicht des Seehauses wurde deutlich: Arbeit wirkt nachhaltig, wenn sie mehr ist als nur eine Beschäftigung. Struktur, Verantwortung und echte Einbindung in gesellschaftliche Zusammenhänge fördern Selbstwirksamkeit, Motivation und Stolz, insbesondere in vollzugsöffnenden und freien Vollzugsformen. Dabei ist der Beziehungsaufbau entscheidend: Kontinuierliche Begleitung und verlässliche Ansprechpersonen sind zentrale Faktoren für einen gelingenden Übergang aus der Haft in die Freiheit.

Zugleich wurde die Rolle der Gesellschaft betont. Vorbehalte und Stigmatisierung auf dem Arbeitsmarkt erschweren die Resozialisierung erheblich. Offenheit im Umgang mit der Haftvergangenheit kann hingegen Vertrauen schaffen – sowohl bei Arbeitgebern als auch im Bewerbungsprozess.

Diskutiert wurden außerdem strukturelle Grenzen des Strafvollzugs: fehlende Arbeitsplätze, knappe Ressourcen und ungenutzte Kapazitäten im offenen und freien Vollzug. Forschung und Praxis waren sich einig, dass diese Vollzugsformen großes Potenzial haben, wenn Mut und Vertrauen über die reine Risikovermeidung gestellt werden.