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Über 1000 Besucher beim Seehaus-Fest 2018 in Leonberg

Justizminister a. D. Ulrich Goll, Justizminister Guido Wolf, stellvertrendende Landtagspräsidentin Sabine Kurtz und Seehaus-Leiter Tobias Merckle

Über 1000 Besucher sind am Sonntag zum Seehaus-Fest für die ganze Familie gekommen. In diesem Jahr stand das 15-jährige Bestehen des Seehaus Leonberg im Mittelpunkt.

Den Auftakt zum Fest bildete ein Gottesdienst mit Oberkirchenrat Dieter Kaufmann. Er ist Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche in Württemberg. Beim Festakt am Nachmittag sprach Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf ein Grußwort. Darüber hinaus war beim Seehaus-Fest wie jedes Jahr viel Raum für Begegnung und Austausch sowie Spiel und Spaß.

Justizminister Wolf bezeichnete das Seehaus als eine besondere Einrichtung, die mitten im Leben stehe. „Durch klare Regeln lernen straffällige Jugendliche, Verantwortung für sich und ihre Taten zu übernehmen. Gleichzeitig lernen sie, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Auf diese Weise bekommen sie die Chance, eine neue Richtung einzuschlagen“, sagte Guido Wolf. Es brauche einen starken Rechtsstaat, der Unrecht bestrafe, aber den Menschen zugleich eine Perspektive aufzeige. „Genau das macht das Seehaus“, betonte der Justizminister.

Besonders lobte Wolf den Einsatz von Seehaus-Leiter Tobias Merckle bei der Umsetzung seiner Vision. „Ohne ihn wäre das alles nicht möglich gewesen. Er hat sich seit mehr als 15 Jahren leidenschaftlich für das Seehaus ins Zeug gelegt und die Einrichtung geprägt“, würdigte der Justizminister.

Über 1000 Gäste sind gekommen

Zu Beginn des Festaktes hatte Tobias Merckle die zahlreichen Gäste begrüßt und die Entwicklung des Seehauses Revue passieren lassen. „Wir können dankbarsein für 15 Jahre Seehaus und 15 Jahre Jugendstrafvollzug in freien Formen. Für 15 Jahre, in denen wir jungen Menschen eine Chance geben und sie auf ein Leben in Freiheit vorbereiten durften. Es lohnt sich für jeden Einzelnen, es loht sich für unsere Jungs da zu sein“, sagte er. Von den 197 jungen Männern, die bisher im Seehaus waren, nutzten 90 Prozent die Zeit, um ihren Hauptschulabschluss zu machen oder das erste Lehrjahr erfolgreich abzuschließen. 98 Prozent von ihnen bekamen einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Mehr als 75 Prozent machten nicht wieder die Bekanntschaft mit dem Gefängnis.

„In jedem unserer Jungs stecken Potentiale. Es wäre schade, ja unverantwortbar, wenn wir ihnen und uns als Gesellschaft nicht die Möglichkeit geben würden, diese Potentiale positiv zu nutzen“, hob der Seehaus-Leiter hervor.

In zwei kurzen Gesprächsrunden kamen Männer und Frauen zu Wort, die das Seehaus über unterschiedliche Etappen hinweg begleitet und unterstützt haben. Es handelte sich um den ehemaligen Justizminister Ulrich Goll, Professor Dr. Rüdiger Wulf, ehemals Referatsleiter im Justizministerium, Birgit Pfitzenmaier, stellvertretende Geschäftsführerin der Baden-Württemberg-Stiftung, den Böblinger Landrat Roland Bernhard, Leonbergs Oberbürgermeister Martin Kaufmann und Johannes Schmalzl, Regierungspräsident a. D. und Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart.

Spannendes Kinderprogramm

Bei Seehaus-Fest präsentierten sich die Ausbildungsbetriebe sowie die verschiedenen Arbeitsbereiche des Seehauses, die in den vergangenen 15 Jahren zusätzlich zum Jugendstrafvollzug in freien Formen entstanden sind. Einige Partnerorganisationen waren mit Informationsständen vertreten. Dazu zählten auch die von Tobias Merckle gegründete Hoffnungsträger Stiftung und die Gemeinde am Glemseck, die aus der Seehaus-Arbeit entstanden ist. Marc Stäbler präsentierte das jüngste Seehaus-Angebot „Protactics“, ein Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungsprogramm, und lud zum Mitmachen ein.

Der Wald- und Tierkindergarten des Seehauses, der seit zehn Jahren besteht, bot ein Kinderprogramm mit vielen Attraktionen an. Bei Führungen durch die Werkstätten und Gebäude konnten sich die Festbesucher einen guten Eindruck vom Seehaus machen. Die Seehaus-Jungs stellten einmal mehr ihr schauspielerisches Talent bei einem humorvollen Theaterstück unter Beweis.

Der schwäbische Historiker und Schriftsteller Gerhard Raff gab von ihm signierte Bücher gegen eine Spende ab. Das Geld kommt der Opfer- und Traumaberatung des Seehauses zugute.

Axel Jeroma

Hier geht´s zum Bericht der Leonberger Kreiszeitung über das Seehaus-Fest 2018

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